Me-ti
der Antagonist [Künstler, Aktivist, Netzwerker, Bohemian]
Mit den immergleichen Phrasen und moralisierenden Appellen wird sich die Neue Rechte nicht aufhalten lassen. Denn natürlich sind Höcke, Kubitschek und Konsorten schlechte Menschen, doch dass sie dumm wären, kann man ihnen sicherlich nicht vorwerfen. Soll der antifaschistische Kampf eine Chance auf Erfolg haben, darf „Faschismus“ nicht einfach eine Zuschreibung für unliebsame politische Gegner bleiben, sondern muss als ein gesellschaftliches Phänomen mit der Methode des dialektischen Materialismus begriffen werden.Er ist nicht das völlig andere, sondern geht in der Krise aus der bürgerlichen-kapitalistischen Gesellschaft hervor.
Max Horkheimers Losung, dass wer vom Kapitalismus nicht redet, auch vom Faschismus schweigen solle, gilt sowohl für die ökonomischen, als auch für die sozialpsychologischen Verhältnisse. Und nicht nur auf der gesellschaftlichen, sondern auch auf der sozialpsychologischen Ebene, ist der Prozess der Faschisierung in vollem Gange. Die soziale Kälte und die Affirmation von Härte nehmen merklich zu. Die menschenverachtenden Aussagen über Abschiebungen, mit denen unsere Politiker:innen heute lächelnd Wahlkampf machen, wären vor zehn Jahren noch als zutiefst menschenverachtend wahrgenommen worden.
Die Militarisierung der Gesellschaft wird die sozialpsychologische Verrohung weiter vorantreiben. Und auch wenn sich die Faschisierung bereits vollzieht, wird sie mit der Machtübernahme der AfD noch einmal eine neue Qualität gewinnen. Mit begriffslosem Moralismus wird ihr nicht beizukommen sein. Es bleibt bei der Frage „Sozialismus oder Barbarei?“. Solange es aber den proletarischen Kräften nicht gelingt sich zu organisieren, wird die „Rebellion des Mittelstandes“ (Reich) in der Reaktion auf die Krise den Ton angeben. Daher bleibt es von großer Bedeutung, die Massenpsychologie des Faschismus zu verstehen. Denn der Weg aus der Mystik bleibt die Aufklärung.
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https://lowerclassmag.com/2026/04/29/massenpsychologie-des-faschismus/
„Wir werden auch keinem Faschisten, der von der überragenden Wertigkeit seines Germanentums narzisstisch überzeugt ist, mit Argumenten beikommen, schon deshalb nicht, weil er nicht mit Argumenten, sondern mit gefühlsmäßigen Wertungen operiert.“ (Reich) Das sprechen auch die heutigen Rechten immer wieder offen aus, wenn sie ihre unmenschliche Politik mit der „Liebe zu Deutschland“ begründen. „Diese Identifizierungsneigung des kleinbürgerlichen Menschen ist die psychologische Grundlage seines nationalen Narzissmus, d.h. seines der ‚Größe der Nation‘ entliehenen Selbstgefühls.“ (Reich) Der nationale Narzissmus erfüllt die Funktion, die Schwäche des eigenen Ichs zu kompensieren. „Die Vorstellung von Heimat und Nation sind in ihrem subjektiv-gefühlsmäßigen Kern Vorstellungen von Mutter und Familie“ (Reich), durch die der seine Härte zur Schau stellende Nazi die mangelnde Liebe in der wirklichen Familie zu kompensieren versucht.
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https://lowerclassmag.com/2026/04/29/massenpsychologie-des-faschismus/
...nach unten zu treten und nach oben zu buckeln, ist kein Alleinstellungsmerkmal der faschistischen Ideologie, sondern bereits heute die Richtschnur bürgerlicher Politik, in der das sozialpsychologische Fundament des Faschismus heranwächst. Nach jeder verlorenen Wahl, beschließt die SPD von Neuem, jetzt Politik für die „hart arbeitende Mitte“ zu machen, was dann in erster Linie heißt, das Leben unterhalb der Mitte noch unerträglicher zu machen. Die sozialpsychologische „Verbürgerlichung des Proletariats“ (Reich), die sich die Interessen der herrschenden Klasse zu eigen macht, hat in den 100 Jahren nach Reichs Schrift eindeutig zugenommen. Die Sozialdemokratie leistet – heute natürlich mit einer ausdifferenzierten linksliberalen Gefolgschaft – dafür in ihrer Funktion, „als objektive Stütze des Kapitalismus, Illusionen zu verbreiten“ (Reich) seit 1914 weiterhin ganze Arbeit.
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https://lowerclassmag.com/2026/04/29/massenpsychologie-des-faschismus/
...Die langfristige Lösung liegt auf dem Tisch: die Vergesellschaftung des Energiesektors und der massive Ausbau der erneuerbaren Energien. So lassen sich gleichzeitig Konzernprofite verhindern, Energiepreise stabilisieren und geopolitische Abhängigkeiten abbauen. Es ist gut, dass die Klimabewegung in dieser Situation neuen Wind bekommt und Zehntausende auf die Straße bringt. Entscheidend ist aber, gleichzeitig für bezahlbare Energien im Hier und Jetzt und den Ausbau der Erneuerbaren zu streiten.
Das ist kein Widerspruch: Man kann den notwendigen Umbau auch anpacken, ohne die Menschen mit hohen Preisen zu gängeln – mit Ordnungspolitik, öffentlichem Infrastrukturausbau und einer aktiven Industriepolitik, die gute Alternativen schafft, statt auf Marktanreize zu hoffen. China macht es vor. Nur so lassen sich auch die Beschäftigten für den Umbau gewinnen. Und nur so wird man sich gegen die AfD und die fossile Lobby gleichzeitig durchsetzen können.
https://jacobin.de/artikel/entlastungspaket-bundesregierung-tankrabatt-energiesteuer-uebergewinne